Was „Der Sandmann“ und „The Stanley Parable“ verbindet – Shower Thoughts über Erzählperspektiven

Nathanael erwachte wie aus schwerem, fürchterlichem Traum, er schlug die Augen auf und fühlte, wie ein unbeschreibliches Wonnegefühl mit sanfter himmlischer Wärme ihn durchströmte [1]

E.T.A. Hoffmanns Novelle „Der Sandmann“, die sicherlich den meisten aus dem Deutschunterricht bekannt ist, vermischt in ihrer Schreibweise Traum und Realität. Oberflächlich geht es um den von einem Kindheitstrauma geplagten Nathanael, dessen Leben in einen gewissen Assoziationszwang verfällt. Überhall wohin er geht, wird er von der Gestalt des gruseligen Coppelius verfolgt, bis er schließlich gänzlich dem Wahn verfällt. Jedoch können wir uns nie sicher sein, dass das so in dieser Novelle passiert, was meiner Meinung nach der eigentliche Knackpunkt der Geschichte ist. Wir als Leser erleben die Geschichte von Nathanael anfangs durch Briefverkehr durch Ich-Erzähler und später durch eine personale Erzählperspektive. Alle Erzähler sind homodiegetisch, also ebenfalls ein Teil der Handlung, die sie erzählen. Seien es die beiden Hauptfiguren Nathanael und seine Geliebte Klara, oder der später eintretende personale Erzähler, der sich selbst als „Freund [des] jungen Studenten Nathanael“[2] beschreibt. Jede Wahrnehmung der Handlung, die wir vermittelt bekommen, ist eine von zum Beispiel Emotionen beeinflusste; jeder Erzähler ist unzuverlässig. Eine objektive Abbildung der Handlung gibt es hier nicht und gerade auch der zweideutige Schreibstil Hoffmanns trägt dazu bei, dass der Leser nie ganz ergründen kann, was tatsächlich in der Novelle geschieht und was reine Hirngespinste Nathanaels sein könnten. Hoffmann schafft es so, durch ein Buch, Kritik an der teils stark eingeschränkten erzählerischen Struktur des Mediums sowie an unserer eigenen eingeschränkten Wahrnehmung der Realität auszuüben. Weiterlesen „Was „Der Sandmann“ und „The Stanley Parable“ verbindet – Shower Thoughts über Erzählperspektiven“

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