Steams Probleme – Teil 1: Das Greenlight Programm

Ursprünglich sollte es hier nur um „Botology“ gehen: Ein schrecklich schlechtes Spiel, das seinen Weg über das berühmt berüchtigte Greenlight Programm in den Steam Katalog geschafft hat. Von denen gibt es ja zuhauf. Da habe ich mir gedacht, wieso nicht eine kurze Reihe an Blogeinträgen daraus machen und gleich mal über die größeren Probleme reden, die Steam, Greenlight und den Early Access betreffen?

Aber fangen wir mal weiter vorne an.
Im August 2012 ging Steams neues Programm „Steam Greenlight“ an den Start. Es sollte kleineren Entwicklern die Möglichkeit geben, ihr Produkt der Community zu präsentieren. Diese konnten dann über ein Voting System bestimmen, ob das Spiel im Katalog von Steam aufgenommen wird oder nicht. Durch Steam Greenlight gab es in den darauffolgenden Jahren eine extreme Masse an neuen Titeln auf der Plattform. So kam es auch zu der mittlerweile relativ bekannten Statistik, dass 38% aller Steam Titel 2016 erschienen, zu  der das Greenlight Programm wohl unter anderem beigetragen hat.

steam_chart
Alle Spiele auf Steam, prozentual aufgeteilt nach Release-Jahr (Bildquelle)

Mit dieser riesigen Welle an Indie-Game releases kamen viele schöne Spieleperlen zum Vorschein, die wohl sonst nicht das Licht der Welt erblickt hätten. Da wäre zum Beispiel das durch einen Prototypen bekannt gewordene Superhot (der innovativste Shooter seit Jahren), welches 2016 erschien. Oder der Tech-Noir Taktik Titel vom deutschen Studio inbetweengames, namens All Walls Must Fall, das sich seit letztem Jahr im Early Access befindet (beide wurden übrigens aber auch über Kickstarter finanziert). Leider kristallisierte sich nach geraumer Zeit aber ein immer größer werdendes Problem heraus: Seitens einiger Entwickler war es natürlich leicht bei Titeln, die noch nicht erschienen waren nur mit eigens erstellten Screenshots, Videos oder Produktbeschreibungen, dem Kunden ein falsches Bild zu vermitteln, sodass diese das Spiel zunächst mal upvoten. Wenn diese dann später im Katalog von Steam erschienen fühlte sich die Community wegen nicht eingehaltenen Versprechungen, unzähligen Bugs und auch einer oft vorherrschenden Unspielbarkeit etc. verständlicherweise hintergangen.

Genau so fand eben auch das Beispiel, das ich eingangs erwähnte – „Botology“, von Black Lime Studio – seinen Weg auf Steam und letztendlich in meine versteckte Bibliothek. Auch wenn Valve bereits drastische Veränderungen im Bezug auf das Filtern erscheinender Spiele angekündigt hat, sodass weniger kaputte, unspielbare Titel auf der Plattform landen (das Greenlight Programm ist bspw. seit letztem Jahr beendet), ist Botology immer noch im Store für 0,99€ zu haben. Deswegen finde ich es auch wichtig, darüber zu reden: Weil die Probleme zurzeit noch aktuell sind. Es bleibt wichtig, sich daran zu erinnern, was schief lief und vorallem noch immer schief läuft.
Werfen wir doch mal einen genaueren Blick auf Botology. Auf der Steam Seite wird als Beschreibung des Spiels ein spanender Sci-Fi Shooter mit guter Story versprochen, wohingegen die Screenshots mir eine schreckliche Erfahrung versprechen.

Das Spiel selbst ist ein einziger Haufen zusammengewürfelter, nicht funktionierender Elemente. Zu Beginn wird mir mithilfe von Texteinblendungen in einer ewig dauernden Sequenz die Standard-Sci-Fi Story erklärt, die sich die Entwickler herausgepickt haben, denn das Story-telling beschränkt sich ansonsten auf die Dialoge, die von mehreren Text-to-speech Programmen auf Russisch(?) vorgelesen werden, während die schlechten, englischen Transkriptionen in einem Textfeld eingeblendet werden. Das wirkt einfach wie direkt aus einem dieser schlecht animierten Youtube Meme Videos, bei denen ebenfalls alles mit TTS vorgelesen wird. Wenn ich dann, nach der Einführung, mal die Maus bewege, um das Gesicht meines Charakters zu sehen, kann ich nicht anders als in Gelächter ausbrechen, weil absolut alle „Menschen“ komplett grotesk aussehen. Überhaupt erhalte ich beim Umsehen das wage Gefühl, dass hier alles aus Standard-Assets zusammengesetzt wurde. Ich bin wirklich nicht jemand, der viel auf eine hochkarätige Grafik setzt, ein konsistenter sowie interessanter Art-Style ist mir da weitaus wichtiger, aber selbst das ist hier zu keinem Zeitpunkt vorhanden. Die Musik im Hintergrund, die wahrscheinlich von einer Free Music Webseite ist, fängt nach 30 Sekunden wieder von vorne an und nervt bereits nach der ersten Spielminute. Mit einer Bewegungsgeschwindigkeit von 1/10 Stundenkilometer bewege ich mich auf das Ziel zu, das mir gegeben wurde: Irgendein Teil dieser Einrichtung, den ich mit einem Aufzug erreichen muss. Dort unten komme ich nach fünf minütigem hin und her Laufen nicht mehr weiter, habe absolut keinen blassen Schimmer, was das Spiel von mir will, deinstalliere es und versuche zu vergessen, dass ich Botology jemals besessen habe.

Doch ich kann es nicht vergessen. Es bleibt in meinen Gedanken kleben, weil ich mir immer wieder die Frage stelle, wie sowas, ein absolut unbrauchbares Produkt, auf Steam landen und vorallem (und das ist eigentlich der wichtigere Part) immer noch auf der Plattform sein kann. Botology steht für mich als klares Beispiel dafür, wie die regelrechte Flut an Releases eine Kuration von Titeln extrem notwendig macht. Um einen Überblick über Titel zu verschaffen, die einen persönlich vielleicht interessieren, hat Steam bereits Stützen wie die „Ist dieses Spiel relevant für Sie?“-Spalte eingeführt und das ist auch gut so. Jedoch bleibt die Vorab-Filterung von Spielen aus, die auf leichteste Art und Weise durch das Greenlight Programm aufgenommen wurden und eben nicht das neue Steam Direct benutzen mussten und eben keine 100$ Gebühr bezahlen mussten.

Im nächsten Teil werde ich mich mit dem Early-Access anhand von zwei Beispielen beschäftigen.

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Autor: Amon

Leidenschaftlicher Gamer und Medienkonsument. Hat mal für Bluegaming.de geschrieben und macht jetzt ... ja, was eigentlich?

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