Expedition in eine bizarre virtuelle Welt – Erste Anekdoten aus dem VR Chat

Es ist das Meme vom Jahresende 2017: Die Ugandan Knuckles Tribe Videos auf Youtube explodieren momentan, jedes einzelne mit locker über eine Millionen an Klicks. Videos von kleinen, dem Sonic Charakter ähnlichen, Avataren, die in einer Gruppe in der virtuellen Welt von „VRChat“ umherlaufen. Mit Rufen wie „you do not know de wey“ oder ähnlich bescheurtem ziehen sie un Gruppen einem Anführer hinterher.

VR Chat selbst ist ein kostenloser Early-Access Titel auf Steam. Die Entwickler haben es sich zum Ziel gemacht, mit ihrem Spiel eine etwas andere (bessere) Version von Second Life zu erstellen. Einen virtuellen Treffpunkt, an dem man grundsätzlich tun kann, was man möchte. Ausgelegt auf VR mit der Möglichkeit der Gesichtserkennung (die Bewegung eures Gesichts beim Sprechen wird ins Spiel übertragen) soll VR Chat also eine immersive Simulation bieten, bei der man selber einen Avatar sowie Maps erstellen und hochladen kann. Es ist wie eine alternative Realität, in der man reale Menschen im virtuellen Raum treffen kann. Offensichtlich der erste Schritt in die Richtung der Zukunft aus Black Mirror – auf dem Papier zumindest. Denn natürlich, wenn man sich die Videos auf Youtube ansieht, erhält man ein etwas weniger ruhiges Bild vom Spiel. Natürlich ist das ebenfalls legitim, schließlich geht es hier darum, der Spielerschaft die größtmögliche Freiheit zu lassen. Wenn das in großen Ugandan Knuckles Gruppen mündent, then so be it!

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Auf einigen Welten mit dem Titel „Uganda“ lassen sich riesige Knuckles Statuen finden

Wieso also nicht mal diese absolut merkwürdige Community erkunden?, dachte ich mir, als ich sah, dass man VR Chat ja tatsächlich umsonst bekommt und man auch vollkommen ohne VR Gear spielen kann. Kurz nach dem 1,2 GB Download galt mein erster Gedanke dann den technischen Limitationen. Denn ja, VR Chat läuft extrem schlecht, stürzt bei mir andauernd ab oder hängt sich im Ladebildschirm auf – wie es sich für einen Early-Access Titel gehört. Ein Account zu erstellen hat bloß mit viel Mühe funktioniert, weil die Bestätigungsmail nie gesendet wurde. Nach ca. 45 Minuten wurde ich dann endlich ins Hub geschmissen. Über das Worlds Menü kann man von hier aus Portale erstellen, durch die man in die einzelnen „Chaträume“ bzw. Level kommt. Ein Freund und ich entschieden uns für meinen ersten Besuch der Welt von VR Chat ein MC Donald’s aufzusuchen, in dem gerade einige Spieler waren.
Das, was ich dort zu Gesicht bekam, ist eines der unglaublichsten Bilder, das ich nie mehr aus dem Kopf bekommen werde:
Wir stehen mitten im Restaurant. Jeder, wirklich JEDER redet durcheinander. Hinter dem Tresen sitzt ein kleiner Knuckles mit einem Mc Donald’s Hut sowie ein Kerl mit einem der Standard Avatare. Vor mir ist jemand, der einen Block als Avatar hat, der komplett aus Bildern von Cory aus Cory In The House gebaut ist und über sein Mikro die ganze Zeit das Intro Theme aus der Serie abspielt. Neben ihm stand ein Panzer mit einem Kommunisten Knuckles oben drauf, an dem gerade eine lebende Straßenlaterne vorbeilief.

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Das Cory-In-The-House-Haus (das ist ein Avatar eines Spielers)

Während ich immer noch mit offenem Mund zusah, was sich hier vor meinen Augen abspielte, während mein Freund dem Kerl hinter dem Tresen sagte, er sei jetzt der neue Manager, fegte urplötzlich ein gigantischer Hybrid aus einem Segelflugzeug mit Knuckles-Kopf durch den kompletten Laden und clippte durch die Wände. Währenddessen gab sein Mikro ausschließlich laute Störgeräusche von sich.
Das waren so meine ersten 30 Sekunden in einem öffentlichen Chatroom in VRChat.
Nachdem ich dann vom ‚echten Manager‘ vom Laden auf die Straße verbannt wurde, entschieden wir uns einen anderen Platz aufzusuchen. Da gäbe es beispielsweise die Karte „Suburban House“ auf der einige Leute aktiv waren. Hier durfte ich auch das erste Mal mitansehen, wie an manchen Stellen das Konzept vom virtuellen Chatraum zum Leute Kennenlernen tatsächlich aufgeht: Im Garten des Hauses bekam ich mit, wie sich zwei Avatare ganz normal unterhielten und sich scheinbar anfreundeten. Überschattet waren die beiden bloß von einer haushohen Tracer aus Overwatch, die einem Standard Avatar hinterherjagte.

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Im Haus wurde mir das Sprechen von jemandem verboten, der einen Dömonenskin sowie die entsprechende tiefe Stimme dazu hatte. Ein Knuckles ging dazwischen und sagte auf einmal (mit einem irischen(?) Akzent) zu meinem Gegenüber: „You need to calm yourSELF!“. Währenddessen badete ein übergroßer Charakter aus Naruto(?)in der Badewanne des Hauses. Weil in VR Chat nunmal alles möglich ist.

Das schöne ist aber, dass die Community sofort auf Aussagen und Witze anspringt: An irgendeinem Punkt hat mein Freund jemand anderem eine Banane aus der Hand gerissen, woraufhin er „This is my banana!“ gerufen hat. Sofort wollte der andere diesen Gegenstand, mit dem man nicht wirklich irgendetwas anfangen kann, zurück haben und eine kleine Gruppe formierte sich, die ihm folgte.
„I wanna have the power of the banana!“ „The banana belongs to me“
Im Endeffekt hat er sie dann mit den Worten „Nobody should have the banana. Its power is too great for any of us to bear“ über den Gartenzaun geschmissen.
Danach haben wir dann noch mitansehen können, wie in einer Bar aus Persona eine Animefigur von Pikachu einen Lapdance bekommen hat. Das war dann erstmal genug für eine Session.

Solche Dinge passieren am laufenden Band und es ist wirklich leicht, sich in dem virtuellen Raum zu verlieren. Jeder, der gerne mal einen Abstecher in diese bizarre Gesellschaft machen möchte, sollte es unbedingt mal auszuprobieren.
Mir bereitet es großen Spaß.

 

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Autor: Amon

Versucht des Öfteren, etwas Fundiertes über Videospiele zu sagen und zu schreiben. Meistens - aber nicht ausschließlich - auf seinem eigenen Blog. @AsonDT auf Twitter

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